Hoffnung

Als Krankenhausseelsorger erlebt der Steirer Bernd Oberndorfer eine ganze Bandbreite an Gefühlen: von Freude über das Gesundwerden bis hin zur Verzweiflung, wenn es mit der Genesung nicht funktionieren will oder kann. Und dann gibt es noch ein ganz besonderes Gefühl, sagt er…

Zum Nachhören: https://religion.orf.at/radio/stories/2899166/

Hoffnung. Vermutlich wird an keinem anderen Ort so viel, so intensiv gehofft wie in einem Krankenhaus. Die Patienten, ihre Angehörigen, das Personal – alle hoffen auf Besserung, auf Gesundung. Hoffnung greift auf die Zukunft aus, kennt ein „Worauf“ und ein „Wofür“. Aber kann man denn auf die Zukunft setzen, von ihr etwas erwarten, wenn man nach menschlichem Ermessen gar keine mehr hat?

Ein neues Buch

Da denke ich immer wieder an eine Frau, noch keine 50 war und sie hat Krebs. Krebs – schon das Wort evoziert Bilder der Hoffnungslosigkeit, des Zerstörerischen. Ich erlebe mit ihr Phasen der Besserung und des Zusammenbruchs, Zeiten unglaublichen Gottvertrauens und Tage des Zweifels. Sie selber wird in diesen Monaten immer „lichter“. Alle, mit denen ich über diese besondere Frau gesprochen habe, greifen zu dieser Metapher: Licht. So viel Wärme, innere Freude, Lächeln, Dankbarkeit, Hoffnung gingen von ihr aus.

Tage vor ihrem Tod besuche ich sie und sehe ein neues Buch liegen. „Harry Potter?“, frage ich lächelnd, „und das auf Englisch?“ „Ja“, meint sie, „mich interessiert, was die Jugendlichen da so fasziniert und ich muss außerdem mein Englisch wieder verbessern.“ Ein neues Buch angefangen am Vorabend des Todes: Hoffnung.